Mit diesem Beitrag schließt sich die Serie zum Altersvorsorgedepot. Wer alles gelesen hat, kennt jetzt mehr Details als die meisten Berater vor zwölf Monaten. Was fehlt, ist die Zusammenfassung zu einer Entscheidung.
Sechs Fragen. In dieser Reihenfolge, weil jede die nächste beeinflusst. Wer sie bis Jahresende beantwortet hat, entscheidet im Januar 2027 in wenigen Tagen, statt monatelang Produktseiten zu lesen.
Schritt 1: Steht deine Basis?
Bevor über Zulagen gesprochen wird, gehören drei Dinge geprüft: teure Konsumschulden, eine Liquiditätsreserve von drei bis sechs Monatsausgaben und die Absicherung deiner Arbeitskraft.
Das ist keine Formalie. Geld im Altersvorsorgedepot ist bis frühestens zum vollendeten 65. Lebensjahr gebunden, und eine vorzeitige Entnahme löst die Rückzahlung von Zulagen und gesondert festgestellten Steuerermäßigungen aus. Wer keinen anderen Puffer hat, gerät genau in die Situation, in der diese Bindung teuer wird.
Deine Antwort: Wenn hier etwas fehlt, ist das der erste Schritt - nicht der Vertrag. Starten kannst du trotzdem, für die Grundzulage reichen 120 Euro im Jahr.
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Schritt 2: Bist du förderberechtigt?
Die ganze Rechnung hängt daran. Unmittelbar förderberechtigt sind unter anderem Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung, Beamte mit erteilter Einwilligung, Eltern in der dreijährigen Kindererziehungszeit, Bezieher bestimmter Lohnersatzleistungen sowie neu Selbständige mit Einkünften nach § 15 oder § 18 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 EStG bei abgegebener Steuererklärung und Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke unter zusätzlichen Voraussetzungen.
Nicht dazu gehören freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung Versicherte ohne weiteres Kriterium, von der Rentenversicherungspflicht befreite Minijobber und Bezieher einer Vollrente wegen Alters.
Verheiratete haben ein Auffangnetz: Erfüllt einer die Voraussetzungen, kann der andere als mittelbar Zulageberechtigter Zulagen erhalten - mit eigenem Vertrag, eigenem Mindestbeitrag von 120 Euro und einer Grundzulage von höchstens 175 Euro.
Deine Antwort: Steuerbescheid und Versicherungsverlauf geben sie. Wer eine Einwilligung braucht - Versorgungswerk, Dienstherr - sollte den Weg dorthin jetzt klären.
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Schritt 3: Welcher Beitrag passt?
Die Fördergrenze liegt bei 1.800 Euro Eigenbeitrag im Jahr, das sind 150 Euro im Monat für die volle Grundzulage von 540 Euro. Einzahlen kannst du bis 6.840 Euro, gefördert wird darüber hinaus nichts mehr.
Die Grenze ist eine Obergrenze, kein Zielwert. Der stärkste Förderbereich liegt ganz unten: Die ersten 360 Euro im Jahr werden mit 50 Cent je Euro bezuschusst, alles darüber bis 1.800 Euro mit 25 Cent. Für jedes zugeordnete Kind kommen bei einem Eigenbeitrag von insgesamt 300 Euro bis zu 300 Euro Kinderzulage hinzu.
Deine Antwort: Der Betrag, den du auch in einem schlechten Quartal durchhältst. Aufstocken geht jederzeit, und der Vertrag lässt sich ruhend stellen - dieser Anspruch muss dir in jedem zertifizierten Vertrag gewährt werden.
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Schritt 4: Welcher Produkttyp?
Drei Wege stehen zur Wahl.
Das Standarddepot hat vorgegebene Standardeinstellungen, zwei vom Anbieter festgelegte Investmentvermögen, eine automatische Umschichtung in den risikoärmeren Fonds vor Beginn der Auszahlungsphase und Effektivkosten von höchstens 1,0 Prozent. Jeder Anbieter geförderter Altersvorsorgeprodukte muss es anbieten.
Das freie Altersvorsorgedepot gibt dir mehr Auswahl innerhalb der gesetzlichen Positivliste, verzichtet auf Garantien und verlangt eigene Entscheidungen. Der Kostendeckel gilt hier nicht automatisch.
Das Garantieprodukt stellt dir zu Beginn der Auszahlungsphase mindestens 80 oder 100 Prozent der eingezahlten Beträge zur Verfügung. Sicherheit kostet Renditechance.
Zwei Zusatzfragen gehören in diesen Schritt: Enthält der Vertrag eine Verrentungsoption? Und enthält er die Entnahme für selbstgenutztes Wohneigentum? Letztere ist künftig kein zwingender Vertragsbestandteil mehr.
Deine Antwort: Restlaufzeit und Risikotragfähigkeit entscheiden. Unter 15 Jahren bis zur Auszahlung wird die Garantiefrage ernst, über 25 Jahren spricht wenig dafür.
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Schritt 5: Was passiert mit deinem Bestand?
Wer einen Riester-Vertrag hat, hat hier die wichtigste Entscheidung der ganzen Serie.
Bestehende Verträge bleiben bestehen. Eine Übertragung in ein Altersvorsorgedepot ist möglich, aber freiwillig und kann Kosten verursachen; bereits gefördertes Vermögen kann im Jahr der Übertragung nicht erneut gefördert werden. Ruhen lassen geht immer.
Der Punkt, der selten genannt wird: Neben dem Altvertrag lassen sich grundsätzlich bis zu zwei weitere neue Verträge abschließen. Mit dem Abschluss eines neuen geförderten Vertrags endet aber der steuerliche Bestandsschutz: Auch der Altvertrag wechselt in die neue Fördersystematik. Der Vertrag selbst sowie vereinbarte Garantien und sonstige Bedingungen bleiben bestehen, solange sie nicht gesondert geändert werden.
Für Rürup gilt etwas anderes: Eine Übertragung von einem Basisrentenvertrag in einen Altersvorsorgevertrag ist nicht vorgesehen. Beides nebeneinander zu führen, geht.
Deine Antwort: Nicht ohne Zahlen. Effektivkosten, Garantiezins, Zulagenhistorie, Vertragswert, Rentenfaktor und Wohn-Riester-Anteil gehören auf den Tisch, bevor irgendetwas unterschrieben wird.
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Schritt 6: Wann handelst du?
Die neuen Produkte können ab dem 1. Januar 2027 angeboten werden. Das ist eine Erlaubnis, kein Stichtag. Es läuft nichts ab, und niemand muss am ersten Werktag des Jahres unterschreiben.
Was für einen frühen Abschluss spricht: Zeit am Kapitalmarkt und beim Berufseinsteigerbonus das Alter zu Jahresbeginn. Wer am 1. Januar des Beitragsjahres noch unter 25 ist und die weiteren Voraussetzungen erfüllt, kann einmalig 200 Euro erhalten - auch bei einem Abschluss nach dem Geburtstag im selben Jahr.
Was für Abwarten spricht: In den ersten Wochen wird es wenige Vergleichsmöglichkeiten geben, und die Zertifizierung läuft ab 2027 ohne vollständige Vorabprüfung unter Widerrufsvorbehalt. Ein paar Monate Marktbeobachtung schaden niemandem außer den ganz Jungen.
Deine Antwort: Wenn du am Jahresanfang noch unter 25 warst, prüfe das verbleibende Beitragsjahr rechtzeitig. Sonst dann, wenn dein Wunschprodukt die fünf Nachweise erfüllt: zuordenbares Zertifikat, Muster-Produktinformationsblatt, finale Bedingungen, Preisverzeichnis, funktionierende Abschlussstrecke.
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Für wen es eher nicht passt
Zur Vollständigkeit gehört die Gegenliste. In diesen Fällen ist ein Altersvorsorgedepot nicht der richtige nächste Schritt:
- teure Konsumschulden oder kein Notgroschen
- ungeschützte Arbeitskraft ohne Absicherung
- sehr kurze Restlaufzeit bis zum 65. Lebensjahr, bei gleichzeitigem Wunsch nach Verfügbarkeit
- hoher, absehbarer Liquiditätsbedarf in den nächsten Jahren
- geplanter Ruhestand außerhalb der EU oder des EWR, weil dort ab Beginn der Auszahlungsphase die Folgen der schädlichen Verwendung greifen
In den ersten beiden Fällen ist es eine Frage der Reihenfolge, nicht des Produkts. In den letzten drei ist ein freies Depot ehrlicher.
Die nützlichste Erkenntnis aus dieser Serie ist unspektakulär: Für einen großen Teil der Leser lautet die richtige Antwort „Standarddepot, 150 Euro im Monat, fertig". Wer diesen Weg gehen kann, sollte ihn gehen und nicht auf das perfekte Produkt warten.
Womit du dieses Jahr noch fertig wirst
Vier Dinge, die keinen Marktstart brauchen und die dich im Januar 2027 handlungsfähig machen.
Kläre deinen Förderstatus über Steuerbescheid und Versicherungsverlauf. Hol dir bei Versorgungswerk oder Dienstherr die Information, wie die nötige Einwilligung abgegeben wird. Lass dir für jeden bestehenden Vorsorgevertrag die aktuelle Standmitteilung schicken. Und leg einen Monatsbetrag fest, der auch in einem schwachen Jahr trägt.
Das ist die Arbeit von zwei Nachmittagen. Sie ist mehr wert als jede Produktseite, die du bis Januar noch lesen könntest.
Was du jetzt tun kannst
- ✓ Geh die sechs Schritte einmal von oben nach unten durch und notiere bei jedem deine Antwort. Wo du keine hast, liegt deine nächste Aufgabe.
- ✓ Fordere die Standmitteilungen aller bestehenden Vorsorgeverträge an. Ohne sie ist bei Schritt 5 keine Entscheidung möglich.
- ✓ Leg deinen Zielbeitrag fest, bevor du Produkte anschaust. Sonst bestimmt das Produkt den Beitrag.
- ✓ Wenn jemand in deinem Haushalt am 1. Januar des Beitragsjahres unter 25 ist: Setz den Berufseinsteigerbonus auf die Prüfliste.
Wenn du die sechs Schritte lieber gemeinsam durchgehen willst, statt sie allein zu sortieren: Genau dafür ist das kostenlose Check-up-Gespräch da. Wir sagen dir auch, wenn der einfachste Weg für dich der richtige ist. Kostenlos, und niemand drängt dich zu einer Entscheidung.
Kostenloses Check-up-Gespräch vereinbarenHäufige Fragen
Muss ich mich bis zum 1. Januar 2027 entschieden haben?
Nein. Der Starttermin ist kein Stichtag, an dem etwas abläuft. Die neuen Produkte können ab dann angeboten werden, du kannst auch später abschließen. Sinnvoll ist die Vorbereitung trotzdem, weil du dann entscheidest statt zu suchen.
Was ist der häufigste Fehler in dieser Entscheidung?
Mit der Produktfrage anzufangen. Wer zuerst nach dem besten Altersvorsorgedepot sucht, hat die fünf Fragen davor übersprungen - und landet regelmäßig bei einem Beitrag, der nicht zur Liquidität passt, oder bei einem gekündigten Riester-Vertrag, der besser weitergelaufen wäre.
Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot eher nicht?
Für Menschen mit teuren Konsumschulden oder ohne Liquiditätsreserve, für alle mit ungeschützter Arbeitskraft, für Personen kurz vor oder nach dem 65. Lebensjahr mit sehr kurzer Restlaufzeit, für alle mit hohem Liquiditätsbedarf und für diejenigen, die einen Ruhestand außerhalb der EU oder des EWR planen.
Reicht das Standarddepot für mich aus?
Wenn du angestellt bist, keinen Riester- oder Rürup-Altvertrag hast, keine Immobilienpläne verfolgst und einen Beitrag im Bereich der Fördergrenze zahlen willst, dann sehr wahrscheinlich ja. Es hat vorgegebene Standardeinstellungen, eine automatische Umschichtung vor der Auszahlungsphase und einen Effektivkostendeckel von 1,0 Prozent.
Was mache ich mit meinem Riester-Vertrag?
Erst analysieren, dann entscheiden. Effektivkosten, Garantiezins, Zulagenhistorie, Vertragswert, Rentenfaktor und ein etwaiger Wohn-Riester-Anteil gehören auf den Tisch. Mit dem Abschluss eines neuen geförderten Altersvorsorgevertrags endet der steuerliche Bestandsschutz: Auch der Altvertrag wechselt in die neue Fördersystematik. Seine vereinbarten Garantien und sonstigen Vertragsbedingungen entfallen dadurch nicht automatisch.
Soll ich auf das staatliche Standarddepot warten?
Für ein öffentlich organisiertes Angebot bedarf es einer Verordnung der Bundesregierung, die noch nicht vorliegt. Träger und Zeitplan sind offen. Wer wartet, wartet auf etwas ohne Termin - und kann später immer noch wechseln.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Einordnung und ersetzt keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung. Was für dich konkret sinnvoll ist, hängt von deinem Einkommen, deinem Berufsstatus, deiner Familiensituation, bestehenden Verträgen, deinem Liquiditätsbedarf, deiner Steuerlast und deinem Risikoprofil ab.
