Altersvorsorge: die drei Schichten und was davon zu dir passt

Die meisten Menschen haben irgendetwas für später - einen alten Vertrag, eine Betriebsrente, ein Depot. Was fehlt, ist der Überblick, wie diese Teile zusammenwirken und wo die Lücke bleibt. Hier steht, wie Altersvorsorge in Deutschland geordnet ist, welche Schicht für wen zählt und in welcher Reihenfolge das Ganze sinnvoll ist.

Nicht jede Vorsorge, die es gibt, brauchst du. Aber du solltest wissen, warum du die eine hast und die andere nicht.

Worum es geht

Altersvorsorge ist kein Produkt, sondern eine Reihenfolge

Auf den Punkt

  • Die Altersvorsorge in Deutschland ist in drei Schichten geordnet - sie unterscheiden sich darin, wie stark der Staat fördert und wie frei du bleibst.
  • Je mehr Förderung eine Schicht bietet, desto mehr Regeln hängen daran. Das ist kein Nachteil, aber es muss zu deiner Lebensplanung passen.
  • Welche Schicht bei dir zuerst dran ist, hängt vor allem davon ab, ob du angestellt, selbstständig oder verbeamtet bist.

Wer sich mit Altersvorsorge beschäftigt, landet meistens sofort bei einem Produkt: jemand hat etwas empfohlen, im Bekanntenkreis wurde etwas abgeschlossen, irgendwo stand etwas über ETFs. Damit beginnt die Sache am falschen Ende. Ein Vertrag ist immer nur die Antwort auf eine Frage - und solange die Frage nicht steht, kann auch die beste Antwort danebenliegen.

Die Frage lautet: Was kommt später an, was brauchst du dann, und wer soll die Lücke dazwischen füllen. Erst wenn das grob steht, wird interessant, mit welchem Werkzeug du sie füllst. Genau dafür ist das Drei-Schichten-Modell nützlich. Es ist keine Verkaufsordnung, sondern die Systematik, nach der Altersvorsorge in Deutschland tatsächlich aufgebaut ist - und sie erklärt, warum manche Verträge gefördert werden und andere nicht.

Der häufigste Fehler ist nicht der falsche Vertrag. Es ist der richtige Vertrag zum falschen Zeitpunkt.

Das Altersvorsorgedepot, über das derzeit viel gesprochen wird, ist in diesem Bild ein einzelner Baustein in einer einzigen Schicht - ein wichtiger, aber eben einer von mehreren. Wer nur darüber nachdenkt, übersieht leicht, was daneben schon vorhanden ist oder fehlt.

Warum das zählt

Die Lücke entsteht leise

Anders als bei einer Berufsunfähigkeit gibt es bei der Altersvorsorge keinen Moment, in dem etwas passiert. Niemand bekommt einen Anruf, niemand stellt eine Diagnose. Die Lücke entsteht über Jahrzehnte, ohne dass sich im Alltag etwas ändert - und sie wird genau in dem Moment sichtbar, in dem man sie nicht mehr schließen kann. Das macht sie so leicht zu verschieben und so teuer, wenn man es tut.

Der Grund, warum eine Lücke überhaupt entsteht, ist nüchtern: Die gesetzliche Rente ersetzt nur einen Teil des letzten Einkommens, nicht das ganze. Sie war nie dafür gedacht, den Lebensstandard vollständig fortzuschreiben. Was fehlt, ist der Teil, den die zweite und dritte Schicht auffangen sollen - und je später man damit anfängt, desto größer ist der monatliche Betrag, der dafür nötig wird. Nicht, weil die Produkte schlechter würden, sondern weil weniger Jahre bleiben, in denen sich eingezahltes Geld noch entwickeln kann.

Wie groß deine Lücke ist, lässt sich nicht schätzen und schon gar nicht mit einer Faustregel bestimmen. Sie hängt an deinem Einkommensverlauf, an dem, was du bereits aufgebaut hast, und an dem, was du im Ruhestand tatsächlich ausgeben willst. Der Rentencheck rechnet dir das in wenigen Minuten aus - mit deinen Zahlen, nicht mit Durchschnittswerten. Das ist der ehrlichste Einstieg in dieses Thema, den wir anbieten können.

Die Landkarte

Drei Schichten, drei unterschiedliche Regelwerke

Die folgende Übersicht ordnet die Schichten nach den beiden Fragen, die in der Beratung tatsächlich zählen: Wie stark hilft der Staat mit, und wie frei bleibst du im Gegenzug. Alles Weitere ergibt sich daraus.

Schicht Was dazugehört Wofür sie gedacht ist
Schicht 1 · Basisversorgung Gesetzliche Rente, Basisrente, Versorgungswerk, Beamtenversorgung Das Fundament: lebenslange Rente, dafür kaum Zugriff vor dem Ruhestand
Schicht 2 · Geförderte Zusatzvorsorge Altersvorsorgedepot, Riester-Bestand, betriebliche Altersvorsorge Der geförderte Aufbau obendrauf - mit Bedingungen, die an die Förderung geknüpft sind
Schicht 3 · Private Vorsorge Private und fondsgebundene Rentenversicherung, Sofortrente, freies Depot Der flexible Teil: keine Förderung, dafür weitgehend freie Verfügung

Systematische Einordnung, keine Empfehlung. Welche Schicht bei dir zuerst dran ist, hängt von Beruf, Einkommen und bereits Vorhandenem ab.

Schicht 1

Basisversorgung: das Fundament, das du nicht anfassen kannst

Alles in dieser Schicht hat dieselbe Eigenschaft: Es zahlt später lebenslang eine Rente aus, und vorher kommst du nicht heran. Kein Rückkauf, keine Auszahlung auf einen Schlag, keine Vererbung im üblichen Sinn. Das klingt nach Nachteil, ist aber der Kern der Sache - genau dafür wird diese Schicht steuerlich begünstigt. Der Staat fördert hier das Versprechen, dass das Geld tatsächlich im Alter ankommt und nicht vorher.

Für die meisten Angestellten ist das die gesetzliche Rentenversicherung, um die sie sich nicht aktiv kümmern müssen - sie läuft über den Beitragsabzug. Selbstständige und Freiberufler stehen anders da: Viele zahlen gar nicht ein, das Fundament fehlt also oder ist dünn. Für sie ist die Basisrente, oft Rürup-Rente genannt, das Gegenstück - mit hoher steuerlicher Absetzbarkeit in der Ansparphase und derselben Unverfügbarkeit wie die gesetzliche Rente.

Wer einem Kammerberuf angehört - Ärztinnen, Anwälte, Architektinnen, Apotheker und einige mehr -, zahlt statt in die gesetzliche Rente in ein berufsständisches Versorgungswerk ein. Beamtinnen und Beamte wiederum bekommen ihre Pension nach eigenen Regeln, die mit der gesetzlichen Rente wenig gemein haben. In beiden Fällen ist das Fundament meist solider als bei Angestellten - was aber nicht heißt, dass keine Lücke bleibt.

Diese Schicht bestimmt, wie groß dein Problem überhaupt ist. Deshalb steht sie am Anfang jeder Beratung, auch wenn man an ihr wenig ändern kann.

Schicht 2

Geförderte Zusatzvorsorge: mehr Hilfe, mehr Regeln

In dieser Schicht beteiligt sich der Staat direkt - über Zulagen, über Steuervorteile oder über den Arbeitgeber. Im Gegenzug ist festgelegt, wann und wie das Geld später ausgezahlt wird. Wer hier abschließt, kauft sich Unterstützung ein und gibt dafür ein Stück Flexibilität ab. Ob dieser Tausch sich lohnt, entscheidet sich nicht am Produkt, sondern daran, wie planbar dein Leben ist.

Das Altersvorsorgedepot ist der jüngste Baustein dieser Schicht: ein gefördertes Depot, das in Fonds anlegt statt in einen Versicherungsmantel. Für viele ist es die interessanteste Neuerung seit Langem, weil es Förderung und Kapitalmarktanlage verbindet. Was es genau leistet, für wen es passt und wie sich die Förderung auswirkt, steht ausführlich auf der eigenen Seite dazu. Alles zum Altersvorsorgedepot

Daneben liegen die Riester-Verträge, die viele noch aus früheren Jahren haben. Sie sind nicht automatisch schlecht und nicht automatisch erhaltenswert - das hängt an den Bedingungen des einzelnen Vertrags. Halten, beitragsfrei stellen oder umschichten sind gleichermaßen mögliche Ergebnisse einer Prüfung. Wer hier pauschal rät, hat den Vertrag nicht gelesen.

Die betriebliche Altersvorsorge schließlich läuft über den Arbeitgeber. Sie ist der Baustein, der am häufigsten ungenutzt bleibt, weil niemand danach fragt - dabei beteiligt sich der Arbeitgeber daran. Für Arbeitgeber selbst ist sie zugleich ein Instrument der Mitarbeiterbindung; wir beraten sie deshalb auch von der anderen Seite, unter Gewerbeversicherungen.

Schicht 3

Private Vorsorge: keine Förderung, dafür freie Hand

Was hier aufgebaut wird, bekommt keine Zulage und keinen besonderen Steuervorteil in der Ansparphase. Dafür gehört es dir ohne die Bedingungen der ersten beiden Schichten: Du bestimmst, wann du herangehst, ob du dir das Geld auf einmal auszahlen lässt oder als Rente, und was im Todesfall damit passiert. Für alle, deren Leben sich nicht in Jahrzehnten vorausplanen lässt, ist das mehr wert als jede Förderung.

Die private Rentenversicherung ist hier der klassische Weg. Ihr eigentliches Argument ist nicht die Rendite, sondern die lebenslange Zahlung: Sie zahlt weiter, auch wenn du sehr alt wirst - ein Risiko, das ein Depot nicht abnehmen kann. In der fondsgebundenen Variante wird das Geld am Kapitalmarkt angelegt statt konservativ verzinst, mit den entsprechenden Chancen und Schwankungen.

Die Sofortrente ist ein Sonderfall, der in der Praxis öfter vorkommt, als man denkt: Ein größerer Betrag ist da - aus einer Erbschaft, einer Abfindung, einer ablaufenden Lebensversicherung - und soll in eine laufende Zahlung umgewandelt werden. Das ist keine Vorsorge im eigentlichen Sinn mehr, sondern die Frage, wie vorhandenes Kapital verlässlich in Einkommen übergeht.

Beratungsansatz

Erst absichern, dann aufbauen

Es gibt eine Reihenfolge, die wir in fast jedem Gespräch erklären, weil sie der Intuition zuwiderläuft: Bevor über Altersvorsorge gesprochen wird, muss die Arbeitskraft abgesichert sein. Der Grund ist schlicht. Jeder Vorsorgeplan setzt voraus, dass bis zur Rente Einkommen da ist, aus dem die Beiträge bezahlt werden. Fällt dieses Einkommen dauerhaft weg, endet der Plan mitten im Aufbau - und zwar genau in dem Moment, in dem man das Geld am dringendsten bräuchte.

Deshalb kommt bei uns die Existenzabsicherung zuerst: Berufsunfähigkeit, Krankentagegeld, im Familienfall auch eine Risikolebensversicherung. Das ist der unattraktivere Teil der Beratung, weil er kein Vermögen aufbaut, sondern nur verhindert, dass etwas zusammenbricht. Er ist trotzdem der wichtigere.

Vermögensaufbau ohne Absicherung ist ein Haus ohne Dach: Es steht - bis zum ersten Regen.

Steht die Absicherung, folgt die Altersvorsorge in der Reihenfolge der Schichten. Was an Fundament fehlt, wird zuerst betrachtet, dann die geförderten Möglichkeiten, dann der freie Teil. Diese Reihenfolge ist kein Dogma - bei einem Selbstständigen ohne gesetzliche Rente sieht sie anders aus als bei einer Angestellten mit Betriebsrente. Aber sie verhindert den häufigsten Fehler, nämlich mit dem Baustein anzufangen, über den gerade am meisten gesprochen wird.

Unser Vorgehen

Wie wir deine Altersvorsorge ordnen

Fulminant Finanzdienstleistungen ist ein Maklerbüro mit Erlaubnis nach §34d Abs. 1 GewO. Wir arbeiten im Auftrag unserer Mandanten, nicht im Auftrag eines Versicherers.

01 Bestand und Ansprüche sichten
02 Lücke beziffern
03 Schichten in die richtige Reihenfolge bringen
04 Regelmäßig nachjustieren

Am Anfang steht kein Produkt, sondern eine Bestandsaufnahme: Was liegt an Rentenansprüchen vor, welche Verträge laufen, was ist über den Arbeitgeber vorhanden. Überraschend oft finden sich dabei Verträge, von denen unsere Mandanten selbst kaum noch wussten, dass es sie gibt.

Daraus ergibt sich die Lücke - und erst wenn sie beziffert ist, wird die Frage nach dem passenden Baustein sinnvoll. Wir sagen an dieser Stelle auch, wenn nichts Neues nötig ist. Ein bestehender Vertrag, der weiterläuft, ist für uns ein ebenso gutes Ergebnis wie ein neuer.

Altersvorsorge ist außerdem nichts, was man einmal einrichtet und dann liegen lässt. Einkommen ändert sich, Familienstand ändert sich, Rahmenbedingungen ändern sich. Deshalb schauen wir in regelmäßigen Abständen gemeinsam drauf - das ist der Teil unserer Arbeit, der nach dem Abschluss kommt und über die Jahre den größten Unterschied macht.

Altersvorsorge: was Kunden uns oft fragen

Was ist das Drei-Schichten-Modell überhaupt?+
Es ist die Ordnung, nach der die Altersvorsorge in Deutschland aufgebaut ist. Schicht eins ist die Basisversorgung, aus der später eine lebenslange Rente fließt und die man vorher nicht anfassen kann. Schicht zwei umfasst die staatlich geförderten Verträge. Schicht drei ist alles, was du frei und ohne Förderung aufbaust. Die Schichten unterscheiden sich vor allem darin, wie stark der Staat mithilft und wie frei du im Gegenzug über dein Geld verfügen kannst. Diese beiden Dinge hängen zusammen: Je mehr Förderung, desto mehr Regeln.
Wie viel muss ich für meine Altersvorsorge zurücklegen?+
Diese Frage lässt sich nicht allgemein beantworten, und jede Zahl, die ohne deine Situation genannt wird, ist geraten. Sie hängt davon ab, was du später brauchst, was aus der gesetzlichen Rente und aus bestehenden Verträgen schon kommt und wie viele Jahre noch vor dir liegen. Der Rentencheck liefert dir dafür eine erste eigene Zahl statt einer Faustformel. Danach lässt sich über Beträge sinnvoll reden.
Lohnt sich mein alter Riester-Vertrag noch?+
Das kommt darauf an, was in deinem konkreten Vertrag steht - und darin unterscheiden sich die Verträge stark. Halten, beitragsfrei stellen oder umschichten sind alle drei denkbare Ergebnisse. Pauschal davon abzuraten ist genauso falsch wie pauschal daran festzuhalten. Wir schauen uns die Bedingungen deines Vertrags an, bevor wir eine Empfehlung aussprechen.
Ist das Altersvorsorgedepot besser als eine Rentenversicherung?+
Es ist anders, nicht grundsätzlich besser. Ein Depot legt in Fonds an und ist in den Kosten meist schlanker, eine Rentenversicherung garantiert dafür eine lebenslange Zahlung, egal wie alt du wirst. Was für dich passt, hängt davon ab, wie wichtig dir Planbarkeit gegenüber Rendite ist und was du an Rente schon sicher hast. Auf der Seite zum Altersvorsorgedepot gehen wir im Detail darauf ein.
Sollte ich zuerst vorsorgen oder zuerst meine Arbeitskraft absichern?+
Zuerst die Arbeitskraft. Altersvorsorge setzt voraus, dass du bis zur Rente Einkommen hast, aus dem du sie bezahlen kannst. Fällt dieses Einkommen dauerhaft weg, stoppen auch die Beiträge - und der Vorsorgeplan endet mitten im Aufbau. Deshalb steht bei uns die Existenzabsicherung vor dem Vermögensaufbau, auch wenn das im ersten Moment die unattraktivere Reihenfolge ist.
Ich bin selbstständig und habe bisher nichts. Wo fange ich an?+
Beim Kassensturz, nicht beim Produkt. Als Selbstständiger zahlst du in vielen Fällen nicht in die gesetzliche Rente ein - das Fundament aus Schicht eins fehlt also ganz oder teilweise, und genau das verändert, welche Schicht bei dir zuerst dran ist. Wir klären zuerst, was tatsächlich da ist, bevor wir über einen Vertrag sprechen.
Muss ich für die Beratung nach Friedrichshafen kommen?+
Nur wenn du magst. Unser Büro liegt in Friedrichshafen, Termine vor Ort sind rund um den Bodensee der Normalfall. Genauso arbeiten wir per Video und Telefon mit Kunden in ganz Deutschland - inhaltlich macht das keinen Unterschied, die Beratung wird in beiden Fällen sauber dokumentiert. Alle Wege stehen auf der Kontaktseite.

Was du jetzt tun kannst

  • Sieh nach, welche Verträge du tatsächlich hast - viele unterschätzen, wie viel schon da ist.
  • Mach den Rentencheck, damit du eine eigene Zahl hast statt einer Faustregel.
  • Prüfe, ob deine Arbeitskraft abgesichert ist, bevor du weiter aufbaust.
  • Frag bei deinem Arbeitgeber nach, was betrieblich möglich ist.
  • Sprich mit uns, bevor du einen alten Vertrag kündigst - das lässt sich selten rückgängig machen.

Im ersten Gespräch klären wir, wo du heute stehst und welche Schicht bei dir zuerst dran ist. Kostenlos und unverbindlich.

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