Erst das Einkommen schützen.
Dann Vermögen aufbauen.
Existenzabsicherung heißt: dein Einkommen und deine Arbeitskraft gegen die Risiken absichern, die sie am ehesten gefährden - Krankheit, Berufsunfähigkeit, Unfall. Das ist bei uns das Fundament, nicht die Kür. Vermögensaufbau und Altersvorsorge bauen erst darauf auf.
Deine Arbeitskraft ist dein wertvollstes Kapital - noch vor jedem Depot und jeder Immobilie.
Was Existenzabsicherung heißt und was nicht
Existenzabsicherung meint genau eine Sache: dein Einkommen bleibt da, wenn du selbst ausfällst. Nicht dein Auto, nicht dein Hausrat, nicht deine Behandlungskosten. Dein Einkommen.
Die Unterscheidung klingt spitzfindig, entscheidet aber, womit man anfängt. Eine Hausratversicherung ersetzt Gegenstände. Eine Krankenversicherung bezahlt Ärzte und Kliniken. Beides ist sinnvoll, beides ersetzt kein Gehalt. Wer sechs Monate ausfällt, hat kein Sachproblem. Ihm fehlt Geld, das jeden Monat kommen müsste.
Deine Arbeitskraft ist der Vermögenswert, aus dem alles andere bezahlt wird. Sie ist fast immer der größte und fast immer der am schlechtesten abgesicherte.
Die Einkommenstreppe: wer zahlt wann, und wie lange
Die meisten Menschen wissen, dass der Arbeitgeber sechs Wochen weiterzahlt. Was danach kommt, kennen die wenigsten. Dabei entscheidet genau dieser Teil darüber, ob ein langer Ausfall zu einem finanziellen Problem wird.
- Woche 1 bis 6Entgeltfortzahlung
Dein Arbeitgeber
volles Gehalt
§ 3 EFZG
- ab Woche 7Krankengeld
Deine Krankenkasse
70 % vom Brutto, höchstens 90 % vom Netto, abzüglich deiner eigenen Beiträge
§ 47 SGB V
- nach 78 WochenLücke
Niemand mehr automatisch
Entweder zurück in den Beruf oder Antrag auf Erwerbsminderung
§ 48 SGB V
- danachErwerbsminderungsrente
Die Rentenversicherung
nur, wenn du weniger als sechs Stunden täglich arbeiten kannst, und zwar in irgendeinem Beruf
§ 43 SGB VI
Drei Dinge fallen auf, wenn man die Treppe einmal von links nach rechts liest.
Erstens sinkt die Höhe. Nach sechs Wochen bekommst du nicht mehr dein Gehalt, sondern Krankengeld. Das sind 70 Prozent deines Bruttoverdienstes, höchstens aber 90 Prozent deines Nettos (§ 47 SGB V). Und von diesem Betrag gehen noch deine eigenen Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung ab. Was am Ende auf dem Konto landet, ist spürbar weniger als das, was du gewohnt bist, während die Miete gleich bleibt.
Zweitens gibt es ein hartes Ende. Krankengeld wird wegen derselben Krankheit höchstens 78 Wochen lang gezahlt, und zwar innerhalb von drei Jahren gerechnet, die sechs Wochen Entgeltfortzahlung eingerechnet (§ 48 SGB V). Danach endet die Zahlung. Nicht sie wird kleiner: sie endet.
Drittens ist die Erwerbsminderungsrente keine Fortsetzung. Sie greift erst, wenn du in irgendeinem Beruf keine sechs Stunden täglich mehr arbeiten kannst (§ 43 SGB VI). Dein erlernter Beruf spielt dabei keine Rolle. Berufsschutz gibt es in der gesetzlichen Rente nur noch für vor dem 2. Januar 1961 Geborene (§ 240 SGB VI). Wer als Dachdecker nicht mehr aufs Dach kann, aber theoretisch an einer Pforte sitzen könnte, bekommt nichts.
Die Lücke entsteht nicht an einer Stelle, sondern an dreien: in der Höhe, nach 78 Wochen und bei der Frage, welcher Beruf überhaupt zählt.
Was zusammen dein Einkommen trägt
Vier Bausteine sichern die Seite ab, an der es im Ernstfall am schnellsten eng wird: dein laufendes Einkommen. Jeder deckt einen anderen Fall ab - und keiner ersetzt einen anderen.
Berufsunfähigkeit
Berufsunfähig bist du, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht mehr ausüben kannst. Das trifft längst nicht nur Menschen in körperlich fordernden Berufen - psychische Erkrankungen und Rückenleiden führen ebenso häufig aus dem Beruf wie ein Unfall. Vom Staat kommt dabei weniger, als die meisten annehmen: Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente schaut nicht auf deinen Beruf, sondern nur darauf, wie viele Stunden du überhaupt noch arbeiten könntest. Wie ein guter Vertrag aussieht, entscheidet sich an den Bedingungen - Verweisung, Rentenhöhe, Nachversicherung und den Gesundheitsfragen im Antrag.
- Trifft körperlich und geistig fordernde Berufe gleichermaßen
- Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente schützt deinen Beruf nicht
- Entscheidend sind die Bedingungen, nicht der Beitrag
Private Krankenversicherung
Die private Krankenversicherung ersetzt die gesetzliche vollständig - nach einer anderen Logik. Der Leistungsumfang steht im Vertrag und kann nicht einseitig gekürzt werden, während über den gesetzlichen Katalog der Gesetzgeber fortlaufend entscheidet. Der Beitrag richtet sich nach den vereinbarten Leistungen und dem Eintrittsalter, nicht nach dem Einkommen - eine Gehaltserhöhung verteuert ihn nicht. Dafür gibt es keine beitragsfreie Familienversicherung, jede Person hat einen eigenen Vertrag, und der Weg zurück ist ab einem bestimmten Alter kaum noch möglich.
Zugang haben Angestellte oberhalb der Versicherungspflichtgrenze, Beamtinnen und Beamte über die Beihilfe sowie Selbstständige und Freiberufler. Wer sie nicht bekommt oder bewusst gesetzlich bleiben will, schließt gezielt Lücken über eine private Zusatzversicherung - die Grundabsicherung bleibt dabei gesetzlich. Beide Wege haben ihre Berechtigung; welcher passt, hängt an Einkommen, Familie und Lebensplanung.
- Leistungen stehen im Vertrag und sind nicht einseitig kürzbar
- Beitrag nach Leistung und Eintrittsalter statt nach Einkommen
- Dafür kein beitragsfreier Familienschutz, Rückweg später kaum möglich
Krankentagegeld
Krankentagegeld springt genau dort ein, wo die Lohnfortzahlung endet: Bei Angestellten zahlt der Arbeitgeber sechs Wochen lang weiter, danach übernimmt die Kasse ein reduziertes Krankengeld - bei Selbstständigen und Freiberuflern fehlt diese Absicherung oft komplett. Besonders wichtig ist das Thema für privat Krankenversicherte: Die PKV selbst zahlt kein Krankengeld, ohne Krankentagegeld bleibt diese Lücke offen. Entscheidend bei der Wahl sind Karenzzeit und Tagessatz - beide müssen genau zur individuellen Einkommenssituation und vorhandenen Rücklagen passen. Zur Berufsunfähigkeit gibt es eine klare Abgrenzung: Krankentagegeld überbrückt vorübergehende Erkrankungen, die BU-Rente greift erst, wenn die Einschränkung dauerhaft wird.
- Setzt dort an, wo die Lohnfortzahlung endet
- Für privat Versicherte und Selbstständige besonders wichtig
- Überbrückt vorübergehend - dauerhaft übernimmt die BU-Rente
Unfallversicherung
Die gesetzliche Unfallversicherung greift nur bei Arbeitsunfällen und auf dem direkten Weg zur Arbeit. Was in der Freizeit, im Haushalt, beim Sport oder privat unterwegs passiert, ist darüber nicht abgesichert. Genau diese Lücke schließt die private Unfallversicherung: Sie zahlt, wenn ein Unfall zu einer dauerhaften Beeinträchtigung führt - unabhängig davon, wo und wann er passiert. Entscheidend für die tatsächliche Leistungshöhe sind dabei vor allem die Gliedertaxe und eine vereinbarte Progression, nicht allein die gewählte Versicherungssumme. Relevant ist sie für alle, die aktiv leben - beim Sport, mit Kindern, im Alltag - und besonders dort, wo eine Berufsunfähigkeitsversicherung aus gesundheitlichen Gründen nicht oder nur eingeschränkt möglich ist.
- Die gesetzliche Unfallversicherung deckt die Freizeit nicht ab
- Leistungshöhe hängt an Gliedertaxe und Progression
- Eine Option, wenn die BU gesundheitlich nicht möglich ist
Die Wartezeit, an die niemand denkt
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt nicht in dem Moment, in dem du krank wirst. Sie zahlt, wenn festgestellt ist, dass du deinen Beruf voraussichtlich dauerhaft nicht mehr ausüben kannst. Zwischen diesen beiden Zeitpunkten liegt eine Strecke, die in der Beratung regelmäßig unterschätzt wird.
Der Ablauf sieht in der Praxis so aus: Erst wird behandelt. Dann zeigt sich, dass es nicht besser wird. Dann werden Befunde gesammelt, Gutachten erstellt, Unterlagen nachgereicht. Erst danach steht die Anerkennung. Bis dahin vergeht Zeit, und in dieser Zeit läuft dein Leben mit den gleichen Kosten weiter.
Zwei Bausteine überbrücken diese Phase. Das Krankentagegeld zahlt, solange du krankgeschrieben bist, unabhängig davon, wie die BU-Prüfung ausgeht. Und viele, aber längst nicht alle Berufsunfähigkeitsversicherungen enthalten eine Arbeitsunfähigkeitsklausel: Sie leistet bereits bei durchgehender Krankschreibung, bevor die Berufsunfähigkeit formal feststeht.
Wie lange eine solche Klausel trägt, ab welcher Krankschreibungsdauer sie greift und ob sie im Tarif überhaupt enthalten ist, steht in den Bedingungen und unterscheidet sich erheblich. Das ist kein Detail für Feinschmecker: Es entscheidet darüber, wovon du in der Prüfphase lebst.
Die Frage lautet nicht nur „zahlt meine BU?“, sondern „ab wann zahlt sie, und wer zahlt bis dahin?“
Wie das Krankentagegeld diese Lücke schließt · Worauf es in den BU-Bedingungen ankommt
Was je nach Situation dazugehört
Die vier Bausteine oben treffen auf die meisten Menschen zu. Diese hier hängen stärker davon ab, was du beruflich machst, wer von deinem Einkommen lebt und welchen Gesundheitszustand die Versicherer bei dir sehen.
Grundfähigkeitenversicherung
Zahlt beim Verlust einzelner Grundfähigkeiten wie Sehen, Gehen oder Greifen - oft die Lösung für Berufe, für die eine BU zu teuer oder nicht zu bekommen ist.
Mehr erfahren → KombiniertEinkommensversicherung
Ein Vertrag, der mehrere Auslöser bündelt - vom Unfall über schwere Krankheiten bis zur Berufsunfähigkeit.
Mehr erfahren → Für die FamilieRisikolebensversicherung
Sichert Partner, Kinder oder eine laufende Finanzierung ab, wenn dir etwas zustößt. Wenig Beitrag, große Wirkung.
Mehr erfahren →In welcher Reihenfolge das sinnvoll ist
Die vier Bausteine sind keine Checkliste, die man beliebig abarbeitet. Die Reihenfolge entscheidet darüber, ob eine Absicherung im Ernstfall tatsächlich trägt oder nur teuer aussieht.
Wir gehen mit unseren Mandanten fast immer bei der Berufsunfähigkeit los. Sie ist der größte einzelne Risikofaktor für das laufende Einkommen über ein ganzes Erwerbsleben - größer als das Unfallrisiko, größer als eine vorübergehende Erkrankung. Erst wenn dieser Baustein steht, lohnt sich die Feinabstimmung an den übrigen Stellen.
Danach folgt, was zur individuellen Erwerbssituation passt: Angestellte prüfen an dieser Stelle meist die private Krankenversicherung, Selbstständige und Freiberufler vor allem das Krankentagegeld - dort ist die Lücke zwischen Erkrankung und laufenden Kosten am größten. Die Unfallversicherung kommt als Ergänzung danach: Sie ist sinnvoll, deckt aber nur einen Teil dessen ab, was die Berufsunfähigkeitsversicherung leistet.
Erst wenn diese vier Bausteine stehen, hat Vermögensaufbau ein stabiles Fundament. Ein Depot oder ein Altersvorsorgevertrag nützt wenig, wenn eine Erkrankung mitten in der Ansparphase das Einkommen wegbrechen lässt und die Raten nicht mehr bedient werden können. Deshalb kommt die Altersvorsorge bei uns als fünfter Schritt: Sie baut auf den anderen vier auf.
Für Privatversicherte sieht die Treppe anders aus
Die private Krankenversicherung bezahlt Behandlungen. Sie ersetzt kein Einkommen. Ein gesetzliches Krankengeld, das nach sechs Wochen automatisch einspringt, gibt es dort nicht. Was fehlt, muss ein eigenes Krankentagegeld abdecken, das du vorher vereinbart hast.
- Woche 1 bis 6Entgeltfortzahlung
Dein Arbeitgeber
volles Gehalt, für Angestellte auch in der PKV
§ 3 EFZG
- ab Woche 7Lücke
Niemand - außer du hast vorgesorgt
Die PKV zahlt Behandlungskosten, keinen Lohnersatz. Was fehlt, muss ein Krankentagegeld abdecken.
- mit Krankentagegeldvereinbarter Tagessatz
Deine Krankentagegeld-Versicherung
in der vereinbarten Höhe, ab dem Tag nach Ablauf deiner Karenzzeit
- bei dauerhafter BerufsunfähigkeitErwerbsminderungsrente
Die Rentenversicherung, falls Ansprüche bestehen
Selbstständige ohne Pflichtbeiträge haben hier oft gar keinen Anspruch
§ 43 SGB VI
Für Angestellte in der PKV bleibt die Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber bestehen. Ab Woche sieben entscheidet allein, ob ein Krankentagegeld läuft und wie hoch es vereinbart wurde. Für Selbstständige beginnt die Lücke noch früher: Bei ihnen gibt es keine Entgeltfortzahlung, der Ausfall wirkt ab dem ersten Tag.
Deshalb gehören Krankenversicherung und Einkommensabsicherung in dieselbe Betrachtung, auch wenn sie unterschiedliche Fragen beantworten: Die eine sorgt dafür, dass du behandelt wirst. Die andere dafür, dass du während der Behandlung weiterleben kannst.
Altersvorsorge baut darauf auf
Wenn die vier Bausteine oben stehen, ist der Weg frei für den Vermögensaufbau - sie ersetzen die Altersvorsorge nicht, sie tragen sie.
Altersvorsorgedepot 2027
Das neue, geförderte Altersvorsorgeprodukt: Förderung, Kosten, Vergleich zu ETF-Sparplan und Riester - auf einer eigenen Seite im Detail erklärt.
Zum Altersvorsorgedepot Kostenloses ToolRentencheck
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Rentencheck startenErst absichern, dann aufbauen
Die Reihenfolge ist keine Geschmacksfrage. Wer Geld anlegt, bevor sein Einkommen gesichert ist, muss genau das Ersparte auflösen, sobald etwas passiert, meist zum schlechtesten Zeitpunkt, weil Notverkäufe selten gut getimt sind. Die Absicherung schützt also nicht nur dein Einkommen, sondern auch deinen Vermögensaufbau.
Ist die Absicherung gebaut, stellt sich die nächste Frage: Wo liegt welches Geld? Das hängt weniger von der Rendite ab als davon, wann du es brauchst: Der Notgroschen gehört anders angelegt als die Anschaffung in drei Jahren und diese wieder anders als das, was erst in zwanzig Jahren gebraucht wird.
Rechtsstand und Quellen. Die Angaben zu Entgeltfortzahlung (§ 3 EFZG), Krankengeld (§§ 47, 48 SGB V) und Erwerbsminderungsrente (§§ 43, 240 SGB VI) geben die gesetzliche Systematik wieder, nicht deinen Einzelfall. Ob und in welcher Höhe Ansprüche bestehen, hängt von Versicherungszeiten, Beitragsjahren und dem konkreten Sachverhalt ab. Leistungen privater Verträge richten sich ausschließlich nach den jeweiligen Versicherungsbedingungen. Stand: September 2026.
Wo fangen wir an?
Die meisten Mandanten starten nicht bei allen vier Bausteinen gleichzeitig, sondern dort, wo die größte Lücke liegt. Im Check-up-Gespräch schauen wir gemeinsam drauf - unverbindlich und kostenlos.
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