Grundlagen

Existenzabsicherung: fünf Versicherungen, die dein Einkommen schützen

18. März 2024 5 Min AHArnd Hellwig
E
Auf den Punkt
  • Existenzabsicherung heißt: das Einkommen gegen die Risiken schützen, die es am ehesten gefährden – nicht möglichst viele Verträge abschließen.
  • Die Reihenfolge zählt. Berufsunfähigkeit und Krankentagegeld sichern das laufende Einkommen, Unfall und Pflege fangen Folgekosten auf, die Altersvorsorge kommt danach.
  • Der häufigste Fehler ist nicht die fehlende Versicherung, sondern die planlose: Einzelabschlüsse über Jahre, die sich überschneiden und trotzdem Lücken lassen.

Du bist Mitte zwanzig, im Job angekommen, jonglierst Deadlines und Projekte. Wie sieht es mit der Absicherung deines eigenen Einkommens aus?

Viele denken: „Ich bin doch angestellt, mir passiert schon nichts.” Verständlich – und trotzdem lohnt der ehrliche Blick. Existenzabsicherung klingt trocken, ist aber nichts anderes als der Rettungsschirm für den Fall, dass das Leben aus dem Rahmen fällt. Fünf Bausteine sind dabei zentral.

Berufsunfähigkeitsversicherung: der Airbag für dein Einkommen

Dein Beruf lebt von deinem Kopf, deiner Konzentration, oft auch von deinem Körper. Was passiert, wenn genau das ausfällt?

Psychische Erkrankungen, Rückenleiden durch dauerndes Sitzen oder die Folgen längerer Infekte gehören zu den häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit – auch bei jungen Erwachsenen. Es trifft längst nicht nur Handwerker und Bauarbeiter.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt eine monatliche Rente, wenn du deinen Beruf gesundheitsbedingt längere Zeit nicht mehr ausüben kannst. Damit läuft dein Leben weiter, auch wenn du es gerade nicht kannst.

Wer früh einsteigt, zahlt weniger: Der Beitrag hängt am Eintrittsalter und am Gesundheitszustand. Beides spricht dafür, das Thema nicht auf später zu schieben. Bei einigen Anbietern gibt es zudem Einstiegsvarianten mit vereinfachter Gesundheitsprüfung.

Der beste Zeitpunkt für eine BU ist der, an dem du sie noch nicht brauchst.

Unfallversicherung: weil der Ernstfall meist in der Freizeit passiert

Bei Unfällen denken viele an Baustellen und Maschinen. Die Realität sieht anders aus: Der größere Teil der Unfälle mit bleibenden Folgen passiert in der Freizeit – beim Klettern, Skifahren, Reiten, auf dem Rad oder dem E-Scooter.

Die gesetzliche Unfallversicherung greift nur bei Arbeits-, Wege- und Schulunfällen. Wer sich beim Fußball das Knie zerlegt, fällt nicht darunter. Selbstständige sind ohnehin außen vor.

Die private Unfallversicherung leistet bei dauerhaften gesundheitlichen Folgen – als Einmalzahlung, teils auch als Rente. Sie hilft dort, wo Umbauten, Hilfsmittel oder eine längere Reha bezahlt werden müssen, auch wenn keine Berufsunfähigkeit vorliegt.

Krankentagegeld: wenn du ausfällst, die Fixkosten aber nicht

Als Angestellter bekommst du im Krankheitsfall bis zu sechs Wochen dein Gehalt weiter. Danach übernimmt die Krankenkasse mit dem Krankengeld – das aber deutlich unter deinem bisherigen Nettoeinkommen liegt.

Klingt zunächst verkraftbar. Bis man nachrechnet: Miete, Auto, Versicherungen, Leben – das kostet weiterhin hundert Prozent.

Die Krankentagegeldversicherung schließt genau diese Lücke, in der Regel ab der siebten Woche, auf Wunsch auch früher. Besonders relevant ist sie für alle mit laufenden Kreditverpflichtungen und für Selbstständige, die gar keine Entgeltfortzahlung haben.

Pflegezusatz: schützt nicht nur dich, sondern auch deine Familie

Pflegebedürftig mit Mitte zwanzig klingt weit weg – ein Verkehrsunfall, eine neurologische Erkrankung oder ein Schlaganfall können aber auch junge Menschen treffen.

Und dann ist nicht nur die betroffene Person belastet. Was die gesetzliche Pflegeversicherung nicht abdeckt – und das ist ein erheblicher Teil – müssen Ersparnisse tragen. Reichen die nicht, kann unter bestimmten Voraussetzungen der Elternunterhalt greifen.

Eine Pflegezusatzversicherung schützt insofern in zwei Richtungen. Der Einstieg ist in jungen Jahren vergleichsweise günstig, weil sich der Beitrag am Eintrittsalter orientiert.

Private Altersvorsorge: der Baustein, der Zeit braucht

Die gesetzliche Rente wird für die meisten nicht reichen. Die Lücke ist real und sie wächst, je später man anfängt – weil der wichtigste Faktor beim Vermögensaufbau nicht die Sparrate ist, sondern die Zeit.

Deshalb steht die Altersvorsorge hier bewusst an fünfter Stelle: Sie ist wichtig, aber sie kommt nach der Absicherung des laufenden Einkommens. Wer mit 30 berufsunfähig wird und keine BU hat, kann auch nicht mehr fürs Alter sparen.

Der häufigste Fehler: Einzelverträge statt Konzept

Die größte Hürde bei der Existenzabsicherung ist nicht das Geld. Es ist der Überblick.

Typischer Verlauf: Über die Jahre kommen Verträge dazu – einer über den Arbeitgeber, einer über einen Bekannten, einer online abgeschlossen. Am Ende bestehen Überschneidungen an der einen und Lücken an der anderen Stelle, und niemand kennt das Gesamtbild.

Sinnvoller ist der umgekehrte Weg: erst schauen, was tatsächlich abzusichern ist, dann in welcher Reihenfolge, dann welche Verträge das leisten. Das ist weniger Aufwand, als es klingt – und es verhindert, dass du für Dinge zahlst, die du doppelt hast.

Was du jetzt tun kannst

  • Rechne aus, wie viel du monatlich brauchst, wenn dein Gehalt wegfällt – Miete, Fixkosten, Leben.
  • Prüfe, welche der fünf Bausteine du bereits hast. Oft ist mehr vorhanden als gedacht, nur an unpassender Stelle.
  • Klär für dich die Reihenfolge: Erst das laufende Einkommen, dann die Folgekosten, dann der Vermögensaufbau.
  • Warte mit der Berufsunfähigkeitsversicherung nicht auf den „richtigen Moment". Gesundheitsfragen werden mit den Jahren nicht einfacher.

Wir denken in Konzepten statt in Einzelverträgen: vom Berufseinstieg über den Karrieresprung bis zur Familiengründung. Im Check-up-Gespräch schauen wir uns gemeinsam an, was du schon hast und wo es wirklich noch etwas braucht – ohne dass du dich zu irgendetwas entscheiden musst.

Kostenloses Check-up-Gespräch vereinbaren

Häufige Fragen

Womit sollte ich anfangen?

In den meisten Fällen mit der Absicherung des laufenden Einkommens – also Berufsunfähigkeit und, je nach Beschäftigungsstatus, Krankentagegeld. Erst danach folgen Bausteine für Folgekosten und der Vermögensaufbau.

Lohnt sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung schon mit Mitte 20?

Gerade dann. Der Beitrag richtet sich unter anderem nach Eintrittsalter und Gesundheitszustand – beides spricht für einen frühen Abschluss. Wer wartet, zahlt später mehr oder bekommt Ausschlüsse.

Reicht die gesetzliche Unfallversicherung nicht aus?

Sie greift nur bei Arbeits-, Wege- und Schulunfällen. Ein großer Teil der Unfälle passiert in der Freizeit und fällt damit nicht darunter. Selbstständige sind grundsätzlich nicht gesetzlich unfallversichert.

Was passiert nach sechs Wochen Krankheit?

Angestellte erhalten bis zu sechs Wochen Entgeltfortzahlung vom Arbeitgeber. Danach zahlt die gesetzliche Krankenkasse Krankengeld – deutlich weniger als das bisherige Nettoeinkommen. Diese Differenz schließt eine Krankentagegeldversicherung.

Ist eine Pflegezusatzversicherung in jungen Jahren nicht übertrieben?

Pflegebedürftigkeit trifft überwiegend ältere Menschen, kann nach Unfall oder schwerer Erkrankung aber jeden treffen. Reicht die gesetzliche Leistung nicht, greift unter Umständen der Elternunterhalt – die Absicherung schützt also auch die Familie.

Brauche ich für jeden Baustein einen eigenen Vertrag?

Nicht zwingend. Manche Risiken lassen sich bündeln oder über Zusatzbausteine abdecken. Wichtig ist der Überblick über das Ganze, nicht die Zahl der Policen.

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Einordnung und ersetzt keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung. Was für dich konkret sinnvoll ist, hängt von deinem Einkommen, deinem Berufsstatus, deiner Familiensituation, bestehenden Verträgen, deinem Liquiditätsbedarf, deiner Steuerlast und deinem Risikoprofil ab.

Als Quelle bevorzugen Im Netz kursieren beim Thema Vorsorge und Versicherung viele KI-generierte Halbwahrheiten. Legst du Fulminant Finanzdienstleistungen in Google als bevorzugte Quelle fest, zeigt dir Google bei passenden Suchanfragen häufiger unsere fachlich geprüften Inhalte - für echtes Vorsorgewissen statt Halbwissen.

Geprüfte Inhalte von Fulminant Finanzdienstleistungen

← Zurück zum Ratgeber
AHArnd Hellwig

Geschrieben von Arnd Hellwig

Versicherungsmakler und Geschäftsführer von Fulminant Finanzdienstleistungen

Ich schreibe hier aus der Beratungspraxis: frei in der Anbieterwahl, persönlich verantwortlich und mit dem Ziel, Vorsorge verständlich statt verkäuferisch zu erklären.

Freie Anbieterwahl Persönlich verantwortlich Beratung aus der Praxis

Diese Frage betrifft dich gerade? Dann klär sie persönlich.

Im kostenlosen Vorsorge-Check ordnen wir deine Situation gemeinsam ein. Klar und ohne Verpflichtung.