Wenn du in Deutschland eine Versicherung suchst, stehst du früher oder später vor derselben Frage: Makler oder Vertreter? Beide vermitteln Versicherungen. Beide beraten. Der Unterschied liegt nicht im Auftreten, sondern im Auftraggeber – und der entscheidet darüber, welche Empfehlung am Ende auf dem Tisch liegt.
Zwei Paragrafen, zwei Rollen
Das Handelsgesetzbuch trennt sauber zwischen beiden Berufsbildern.
Der Versicherungsvertreter nach §84 HGB ist damit betraut, für ein Versicherungsunternehmen Verträge zu vermitteln. Er ist an dieses Unternehmen gebunden – bei Ausschließlichkeitsagenturen an genau eines, bei Mehrfachagenten an einige wenige. Seine Pflichten aus den §§86 und 87c HGB richten sich auf das Unternehmen: Verträge vermitteln, informieren, berichten, dessen Interessen wahren.
Der Versicherungsmakler nach §93 HGB wird dagegen vom Kunden beauftragt. Er ist keinem Versicherer verpflichtet und wählt aus einer breiten Marktauswahl. Der Bundesgerichtshof hat seine Rolle in einer viel zitierten Entscheidung als die eines „Sachwalters” des Kunden beschrieben – er steht auf dessen Seite, nicht dazwischen.
Beide vermitteln dasselbe Produkt. Aber nur einer von beiden hat dich als Auftraggeber.
Was daraus praktisch folgt
| Versicherungsvertreter (§84 HGB) | Versicherungsmakler (§93 HGB) | |
|---|---|---|
| Auftraggeber | der Versicherer | der Kunde |
| Produktauswahl | Angebot des eigenen Hauses | breite Marktauswahl |
| Erlaubnis | §34d Abs. 1 GewO, meist über den Versicherer | §34d Abs. 1 GewO, eigene Erlaubnis |
| Beratungsgrundlage | Produkte des vertretenen Unternehmens | Bedarf des Kunden, abgeglichen mit dem Markt |
| Haftung für Beratungsfehler | überwiegend beim Versicherer | beim Makler selbst, abgesichert über eine Vermögensschadenhaftpflicht |
| Im Schadensfall | vertritt die Position des Unternehmens | begleitet den Kunden, auch gegen den Versicherer |
Die Zeile zur Haftung wird oft übersehen, sie ist aber der schärfste Unterschied. Ein Makler haftet persönlich für seine Empfehlung. Das ist keine Marketingaussage, sondern der Grund, warum eine Vermögensschadenhaftpflicht zur Zulassungsvoraussetzung gehört – und warum sorgfältige Dokumentation zum Handwerk gehört.
Was für den Makler spricht
Breite statt Ausschnitt. Über Zugänge zu einer Vielzahl von Gesellschaften lassen sich auch Lösungen finden, die im Angebot eines einzelnen Hauses schlicht nicht vorkommen – bei Vorerkrankungen etwa, bei ungewöhnlichen Berufen oder bei gewerblichen Spezialrisiken.
Kein Zielkonflikt bei der Auswahl. Es gibt keine Absatzvorgaben eines Versicherers, die erfüllt werden müssten. Die Frage lautet nicht „welches unserer Produkte passt am ehesten”, sondern „was passt”.
Ein Ansprechpartner für alles. Verträge liegen selten bei einer einzigen Gesellschaft. Ein Makler betreut sie gebündelt, unabhängig davon, wo sie ursprünglich abgeschlossen wurden.
Begleitung im Schadensfall. Genau dann, wenn es unangenehm wird, ist die Auftragslage entscheidend. Der Makler vertritt den Kunden – auch gegenüber dem Versicherer.
Zeit. Marktvergleich, Antragsstrecke, Rückfragen, Fristen: Das ist Arbeit, die jemand machen muss. Die Frage ist nur, wer.
Und was für den Vertreter spricht
Der Vollständigkeit halber, weil pauschale Urteile hier nichts taugen: Ein erfahrener Vertreter kennt die Produkte seines Hauses oft bis ins Detail, hat kurze Wege in die Fachabteilungen und kann bei Standardanliegen sehr schnell und sehr gut helfen. Wer ohnehin bei einem Versicherer gut aufgehoben ist und keinen komplexen Bedarf hat, fährt damit nicht schlecht.
Der Unterschied wird dort spürbar, wo es komplizierter wird: bei Gesundheitsfragen, bei gewerblichen Risiken, bei der Frage, ob ein Bestandsvertrag noch trägt – und im Streitfall.
Woran du erkennst, mit wem du sprichst
Es gibt einen einfachen, verbindlichen Weg: die Erstinformation nach §15 VersVermV. Sie muss dir beim ersten Geschäftskontakt in Textform ausgehändigt werden und nennt Status, Registrierungsnummer im Vermittlerregister und etwaige Beteiligungen von oder an Versicherungsunternehmen.
Wer sie von sich aus vorlegt, arbeitet ordentlich. Wer erst auf Nachfrage liefert, ist zumindest erklärungsbedürftig. Prüfen lässt sich der Eintrag anschließend im Vermittlerregister der Deutschen Industrie- und Handelskammer.
Fazit
Es geht nicht um gute und schlechte Vermittler. Es geht um die Frage, in wessen Auftrag jemand am Tisch sitzt – und ob dir das bewusst ist, bevor du unterschreibst.
Was du jetzt tun kannst
- ✓ Schau nach, ob dir bei deinem letzten Abschluss eine Erstinformation ausgehändigt wurde – und was darin als Status steht.
- ✓ Prüfe, bei wie vielen Gesellschaften deine Verträge liegen. Je verstreuter, desto größer der Nutzen einer gebündelten Betreuung.
- ✓ Überleg dir, wen du im Schadensfall anrufen würdest – und auf wessen Seite diese Person steht.
- ✓ Ein Wechsel der Betreuung bedeutet keine Kündigung: Über ein Maklermandat laufen bestehende Verträge unverändert weiter.
Wir sind Versicherungsmakler mit Erlaubnis nach §34d Abs. 1 GewO und arbeiten im Auftrag unserer Mandanten, nicht im Auftrag eines Versicherers. Wenn du wissen willst, ob deine bestehenden Verträge noch zu deiner Situation passen, schauen wir sie gemeinsam durch – ohne dass du etwas ändern musst.
Termin vereinbarenHäufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Versicherungsmakler und Versicherungsvertreter?
Der Vertreter ist an einen oder wenige Versicherer gebunden und vermittelt in deren Auftrag. Der Makler wird vom Kunden beauftragt, wählt aus einer breiten Marktauswahl und schuldet eine an dessen Bedarf ausgerichtete Empfehlung.
Woran erkenne ich, mit wem ich es zu tun habe?
An der Erstinformation nach §15 VersVermV. Sie muss dir beim ersten Geschäftskontakt ausgehändigt werden und nennt Status, Registrierungsnummer und Beteiligungen. Wer sie nicht von sich aus vorlegt, sollte danach gefragt werden.
Kostet ein Makler mehr als ein Vertreter?
Im Regelfall nicht. Beide werden überwiegend über eine im Beitrag enthaltene Courtage oder Provision vergütet. Daneben gibt es Nettotarife gegen Honorar. Wie eine Zusammenarbeit vergütet wird, sollte vorab offen besprochen werden.
Ist ein Makler automatisch die bessere Wahl?
Nicht automatisch. Ein erfahrener Vertreter kann eine sehr gute Beratung liefern – innerhalb seines Produktangebots. Die Frage ist, ob dein Bedarf davon abgedeckt wird oder ob es eine breitere Auswahl braucht.
Was passiert im Schadensfall?
Der Makler ist vom Kunden beauftragt und begleitet die Schadenmeldung in dessen Interesse, auch bei Meinungsverschiedenheiten mit dem Versicherer. Der Vertreter vertritt dabei die Position des Unternehmens, für das er tätig ist.
Kann ich zu einem Makler wechseln, ohne meine Verträge zu kündigen?
Ja. Über ein Maklermandat wird die Betreuung bestehender Verträge übertragen. Die Verträge selbst laufen unverändert weiter, es ändert sich nur, wer sie für dich betreut.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Einordnung und ersetzt keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung. Was für dich konkret sinnvoll ist, hängt von deinem Einkommen, deinem Berufsstatus, deiner Familiensituation, bestehenden Verträgen, deinem Liquiditätsbedarf, deiner Steuerlast und deinem Risikoprofil ab.
